Ein RRX-Zug fährt auf offener Strecke an mehreren Bäumen vorbei.

Im Ausbau Offenes Ohr und wachsamer Blick

Beim Thema Schallschutz geht es nicht nur um Lautstärke – sondern manchmal auch um sonnige Fenster. Warum, weiß Manfred Liepert. Der unabhängige Gutachter erstellt seit 26 Jahren Schallgutachten und nimmt auch einige Abschnitte des Projekts RRX genau unter die Lupe. Sein Ziel: Die bestmögliche Lösung für alle Beteiligte zu finden.

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Lärmschutzmaßnahmen spielen bei den RRX-Infrastrukturmaßnahmen eine zentrale Rolle: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Manfred Liepert: Kurz gesagt: Die beste Lösung für den Schallschutz finden. Seit 26 Jahren bin ich dafür zuständig, Schallgutachten zu erstellen und die entsprechenden Prozesse zu begleiten. In dem Projekt RRX prüfe ich beispielsweise als unabhängiger Gutachter Abschnitte in Düsseldorf, Duisburg, Mülheim an der Ruhr sowie Essen und Bochum. Die offizielle Bezeichnung lautet „Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ – umgangssprachlich gesagt, versorgen wir unseren Auftraggeber und die Beteiligten im Verfahren mit dem nötigen Fachwissen dafür. Wir kennen die Lärmschutzgesetze, analysieren und tragen die Grundlagen zusammen, damit letztendlich in Sachen Lärmschutz die richtigen Maßnahmen umgesetzt werden können.

Und wie läuft diese schalltechnische Untersuchung ab?

Manfred Liepert: Hierbei gibt es mehrere Schritte. Zuerst verschaffen wir uns einen Überblick über die Ausgangslage. Das bedeutet, dass wir Kartenmaterial, Bebauungspläne und alle weiteren Informationen zum entsprechenden Abschnitt sammeln und auswerten. Im zweiten Schritt sind wir vor Ort unterwegs: Wir erfassen jedes relevante Gebäude, das von den Baumaßnahmen beeinträchtigt werden könnte. Im Anschluss erarbeiten wir ein digitales Berechnungsmodell. Dieses bildet wirklich alle geometrischen und topografischen Details ab und berücksichtigt auch den zukünftigen Betrieb auf der Strecke. So können wir für jedes Haus, an jeder Fassade und in jedem Stockwerk ausrechnen, wie hoch die Schallbelastung künftig sein wird. Im Anschluss prüfen wir die notwendigen Schallschutzmaßnahmen und erstellen das Gutachten.

Sie haben also eine Formel für den perfekten Schallschutz gefunden?

Manfred Liepert: Auf dem Papier sicherlich. Während Messungen beispielsweise nur gegenwärtige Gegebenheiten erfassen – also die Lärmbelastung der heute fahrenden Züge – können wir mit Berechnungen verlässliche Prognosen erstellen. Aber hier liegt auch der Knackpunkt: Menschen sind verschieden. Sie haben unterschiedliche Belastungswahrnehmungen oder Bedürfnisse und all diese gilt es zu berücksichtigen. Es ist die Suche nach der besten Lösung, die meine Arbeit auszeichnet. Dabei muss ich verschiedene Meinungen und Interessen zusammenführen, und zwar so, dass am Ende alle die Entscheidung gemeinsam tragen. Schließlich geht es beim Thema Schallschutz immer um Wohnraum, also etwas, dass das Leben vieler Menschen maßgeblich prägt.

Wie sieht so ein Kompromiss aus?

Manfred Liepert: Nehmen wir an, in einem Haus wohnen zwei Nachbarn auf der gleichen Etage. Entlang des Wohnhauses soll eine Schallschutzwand verlaufen. Für Nachbar A ist es wichtig, eine möglichst hohe Schallschutzwand zu erhalten, da er im Dachgeschoss sein Arbeitszimmer hat. Nachbar B hingehen ist damit nicht einverstanden, denn dann würde sein Wohnzimmer verdunkelt, weil die Sonne nicht mehr durch die Fenster scheinen kann. Hier müssen wir dann für alle eine tragbare Lösung finden und entscheiden, ob ein transparenter Abschnitt der Schallschutzwand oder passive Schallschutzmaßnahmen – wie speziell isolierte Fenster – die beste Lösung sind. Außerdem müssen immer auch im Blick behalten, dass die Kosten für besondere Schallschutzmaßnahmen nicht unverhältnismäßig werden.

Gab es einen Fall, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Manfred Liepert (lacht): Allerdings. In Düsseldorf haben uns Anwohnerinnen und Anwohner darum gebeten, die Schallschutzwand auf ihrem betroffenen Abschnitt wegzulassen – weil sie so gerne aus ihrem Garten die Züge beobachten.

Apropos, schöne Züge: Immer wieder heißt es, dass der RRX für viele Menschen in NRW auch die Schallschutzsituation verbessert. Warum?

Manfred Liepert: Verbindliche Lärmschutzmaßnahmen gibt es noch nicht sehr lange – erst Anfang der 90er-Jahre wurden entsprechende Gesetze verabschiedet. Dementsprechend mussten auf den ausgebauten Strecken vor dieser Zeit keine Grenzwerte eingehalten werden – und für Anwohnerinnen und Anwohner dieser Abschnitte ist es entsprechend laut. Im Zuge der Baumaßnahmen um das Projekt RRX werden viele dieser Strecken nun verändert oder um ein zusätzliches Gleis erweitert. Dadurch gelten die aktuellen Lärmschutzgesetze und zusätzliche Maßnahmen müssen entsprechend umgesetzt werden.

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